Geschäftsmann kann Billanzierung nicht mehr standhalten. Degrowth und Postwachstum stellen eine Alternative zum Wirtschaftswachstum dar.

Degrowth und Postwachstum

Unbegrenztes Wachstum ist auf einem begrenzten Planeten nicht möglich. Ein vielzitierter Satz, der jedoch die Notwendigkeit von Degrowth und Postwachstum einleuchtend beschreibt. Auf unserem Planeten befinden sich nur begrenzt Ressourcen. Das Wirtschaftssystem, in dem wir leben, hat jedoch immer größeres Wachstum zum Ziel. Degrowth und Postwachstum stellen eine Alternative zum Wachstum dar. Vor rund 20 Jahren hat sich der Begriff Degrowth im südeuropäischen Raum gebildet. Die Degrowth-Bewegung findet besonders in Zeiten, in denen der Unmut über den Klimawandel immer größer wird und Forderungen zu mehr Umweltschutz immer lauter werden, auch hierzulande viele Anhänger*innen. In Deutschland hat sich, neben dem Begriff Degrowth der Begriff Postwachstum stark etabliert.

Um die „immer-mehr“ – Logik der Wirtschaft aufrechtzuerhalten, werden die Ressourcen auf unserem Planeten schonungslos verbraucht. Bereits am 29. Juli haben wir für das Jahr 2019 alle zur Verfügung stehenden Ressourcen der Erde aufgebraucht. Dieses Datum wird jährlich vom Global Footprint Network ermittelt. Derzeit würden wir knapp zwei Planeten benötigen, um unseren Konsum aufrechterhalten zu können. Beim Postwachstum geht es um eine dringend benötigte Transformation der Konsumgesellschaft.

Postwachstum geht über die allgemeine Wachstumskritik hinaus, er schafft Visionen und Utopien. Wie kann eine stabile Gesellschaft ohne Wirtschaftswachstum aussehen? Wie kann ein gutes Leben für alle in einer Gesellschaft ohne Wachstum gewährleistet werden? Wie können Lebensstile neu gestaltet werden, um das gute Leben für alle unter Aspekten wie Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit umzusetzen? Grundsätzliche Forderungen und Inhalte aus der Postwachstumsdebatte sind unter anderem die Beendigung der Ressourcenübernutzung mittels Obergrenzen für die Nutzung, Demokratisierung wirtschaftlicher Tätigkeiten, alternative Wohnkonzepte, Arbeitszeitverkürzung und die damit verbundene Aufwertung von Sorgearbeit, wie die Pflege hilfebedürftiger Menschen oder Erziehung von Heranwachsenden. 

Was ist Wachstumskritik?

Wachstumskritik ist ein wichtiger Bestandteil von Degrowth und Postwachstum. Die Wachstumslogiken in unserem heutigen Wirtschaftssystem spiegeln sich im Bruttoinlandsprodukt (BIP) wider. Die Berechnung des BIPs wird seit den 1930er Jahren verwendet, um das Wachstum einer Gesellschaft zu ermitteln. Im BIP wird die Summe aller Gegenstände und Dienstleitungen, die pro Jahr und Land hergestellt und verkauft worden sind, ermittelt.

„…die Erkenntnis, dass 2 Prozent BIP-Wachstum im Jahr 2015 eben nicht das gleiche ist wie 2 Prozent Wachstum vor einigen Jahrzehnten…“ ~Atlas der Globalisierung, S. 10

Im Laufe der letzten Jahrzehnte manifestierte sich die gesellschaftliche Annahme, dass Wirtschaftswachstum wünschenswert, selbstverständlich und nahezu unendlich sei. Diese Vorstellung wird auch Wachstumsparadigma genannt. Während jedoch Wirtschaftswachstum im globalen Norden in den letzten Jahrhunderten zu enormen Verbesserungen der Lebensqualität geführt hat, hieß dieses Wachstum in anderen Teilen der Welt, dass Menschen ausgebeutet wurden und ihre Lebensgrundlage zerstört wurde. Heutzutage führt dieses Wachstum weiterhin zur enormen Ausbeutung von Menschen und deren Zerstörung der Lebensgrundlage. Und in den Industrienationen? Dort kann schon lange nicht mehr von einer enormen Verbesserung der Lebensqualität gesprochen werden, denn Wirtschaftswachstum stößt nicht nur an ökologische Grenzen, sondern auch Grenzen, die in uns Menschen selbst liegen. Andauernde Beschleunigung, Zeitknappheit, Statusdenken, Entfremdung – all das sind Resultate der Steigerungslogik der Wirtschaft und führen bei uns Menschen zu großem Unbehagen. Die negativen Auswirkungen der „höher, schneller, weiter“ – Logik auf den Menschen finden in der Wachstumskritik viel Beachtung.

mehr zum Thema: Konsum und Postwachstum
„Immer mehr haben zu wollen liegt nicht in der „Natur“ des Menschen. Vielmehr sind unbegrenzte Konsumwünsche funktional notwendig für eine immer weiter ansteigende Nachfrage und damit für das anhaltende Wachstum von Märkten“ ~ Matthias Schmelzer/Andrea Vetter, Degrowth/Postwachstum zur Einführung, S. 92

Wirtschaftswachstum geht immer mit einem Anstieg des Ressourcen- und Energieverbrauchs einher, somit verschärft es den Klimawandel und lässt Umweltschutzfragen aussenvor. In der Wachstumskritik wird auch die fehlende Nachhaltigkeit des Wirtschaftssystems kritisiert, welches auch durch grünes Wachstum oder Effizienzsteigerungen nicht nachhaltiger gemacht werden kann.

Was ist eine Postwachstumsökonomie?

Die Postwachstumsökonomie ist eine Alternative zu den heutigen Wachstumslogiken des Wirtschaftssystems. Ziel der Postwachstumsökonomie ist eine Wirtschaft ohne Wachstum des BIPs, dies soll unter anderem durch vermehrte Subsistenz und Suffizienz erreicht werden. Dabei geht es sowohl um einen Umbau bestehender Industriezweige als auch um einen Rückbau. Die Infrastruktur des öffentlichen (Nah-)Verkehrs müsste beispielsweise umgebaut und ausgebaut werden, wobei Individualverkehr zurückgebaut werden müsste.  

„Die seit Jahrzehnten ermüdend diskutierte Fragestellung, dass das Bruttoinlandsprodukt kein geeigneter Maßstab für das Wohlergehen moderner Gesellschaften sein kann, ist schlicht eine Verharmlosung. Vielmehr müsste das Bruttoinlandsprodukt als Maß für ökologische Zerstörung betrachtet werden.“ ~ Niko Paech, Befreiung vom Überfluss. Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie, S. 9  

Umsetzung der Postwachstumsökonomie

Hier ein paar grundlegende Änderungen, die vollzogen werden müssen:

  • Stärkung der Regional-, Lokal-, und Subsistenzversorgung nach dem Motto: „So regional wie möglich, so global wie nötig“ ~ Niko Paech, Befreiung vom Überfluss. Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie, S. 118
  • Arbeitszeitverkürzung, um Subsistenzversorgung zu stärken und somit die Senkung der Abhängigkeit vom Einkommen
  • Transformation der Gesellschaft und Wirtschaft durch vermehrte Suffizienz
  • Reduzierung des Konsums mit Aussicht auf mehr Glück und Zeitwohlstand
  • Zurückfahren der industriellen Produktion, regionale Produktion und Minimierung der Distanz zwischen Produktion und Verbrauch

Es geht nicht um Verzicht, sondern um die Befreiung mit der Aussicht auf mehr Glück. Werde ein richKind.

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Eversberg, D., & Muraca, B. (2019). Degrowth-Bewegung: Welche Rolle können sie in einer sozialökologischen Transformation spielen? In K. Dörre, H. Rosa, K. Becker, S. Bose, & B. Seyd, Große Transdormation? Zur Zukunft moderner Gesellschaften. (S. 487-503). Wiesbaden: Springer VS.

Le Monde diplomatique/taz Verlags- und Vertriebs GmbH. (2015). Atlas der Globalisierung. Weniger wird mehr. Berlin: taz Verlags- und Vertriebs GmbH.

Paech, N. (2015). Befreiung vom Überfluss. Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie. München: oekom Verlag.

Schmelzer, M., & Vetter, A. (2019). Degrowth/Postwachstum zur Einführung. Hamburg: Junius Verlag GmbH.