Macht die große Auswahl im Supermarkt und der maßlose Konsum glücklich?

Warum mehr Konsum nicht mehr Glück bedeutet

„Höher, schneller, weiter“ – Wir leben in einem Wirtschaftssystem, dass Wachstum zur Aufgabe hat. Dementsprechend ist es das Ziel der Wirtschaft, uns zu Konsumenten zu machen. Aber macht uns die Anhäufung von Gegenständen wirklich glücklich? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Glück und Konsum?

Unmittelbare Bedürfnisbefriedigung

Eines ist klar; noch gestern Unerreichbares wird heute mit einem Klick erreichbar. Mit 0 %-Finanzierungen können wir sogar schon heute Dinge haben, die wir uns irgendwann einmal hätten leisten können. Wir kaufen Dinge sofort zur unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung und bezahlen sie irgendwann einmal. Durch die Digitalisierung und E-Commerce wird die unmittelbare Bedürfnisbefriedigung real. Die Ungeduld wird gefüttert durch Shoppingerlebnisse 24/7. Das führt allerdings auch dazu, dass Menschen weniger Dinge aus eigener Leistung möglich machen und vielen (bewusst oder unbewusst) das Gefühl der Selbstwirksamkeit fehlt. Da permanent genug Geld übrig ist (aus eigener Tasche oder auf Pump), werden Gegenstände lieber mit einem Klick schnell neu gekauft und am nächsten Tag an der Haustür in Empfang genommen, statt sie selbst zu reparieren oder sie aus der Nachbarschaft oder von Freunden zu leihen.

 

Bequemlichkeiten

Unser heutiger Anspruch an technologischen Fortschritt? Dinge zu entwickeln, die uns Menschen hierzulande von Tätigkeiten befreien, die vermeintlich zu anstrengend, zeitraubend oder lästig sind. Eine endlose Reihe von Bequemlichkeiten, von der elektrischen Zahnbürste zum Mähroboter bis hin zur elektrischen Muskelstimulation, sollen das Leben leichter machen. Die unmittelbare Bedürfnisbefriedigung in Kombination mit der zunehmenden Bequemlichkeit führen dazu, dass technische Geräte immer weiter in jede Nische unseres Lebens eindringen. Es gibt für jede Tätigkeit ein Gerät. Dieses Gerät kann unmittelbar, mit einem Klick angeschafft werden, ist nach 2 Jahren abbezahlt und wird dann von einem neuwertigeren, besseren, innovativeren Gerät ersetzt.

Um unsere angeblichen materiellen Bedürfnisse zu erfüllen, verstopfen wir unser Leben mit Dingen, die wir nicht brauchen. Wir sind reizüberflutet, gestresst und unter ständigem Zeitdruck. Unsere Freiheit und unsere zahlreichen Handlungsoptionen werden zum Stressfaktor. Obwohl Optionenvielfalt ein wichtiges Kriterium für Freiheit ist, scheinen viele überfordert und unzufrieden zu sein.

 

Was macht glücklich?

Was macht uns Menschen also glücklich?

Zufrieden ist man, wenn man funktionierende zwischenmenschliche Beziehungen hat, Integrität spürt, gesund ist, sich sicher fühlt und sich seiner eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen bewusst ist. Glücklich macht ebenfalls das Gefühl der Selbstwirksamkeit und Schaffenskraft. Heutzutage rufen wir jedoch eher Leistung ab, anstelle sie selbst zu verrichten. Bedürfnisse hingegen durch Eigenleistung wie Subsistenz, handwerkliches Geschick oder mit Hilfe von Freunden oder Familie zu befriedigen, schafft Freiheiten. Jegliche Bedürfnisse durch Konsum und Dienstleistungen zu befriedigen schafft Abhängigkeiten. Wir haben keinen Mangel an Gegenständen oder Möglichkeiten, aber wir haben sehr wohl einen Mangel an Zeit. Zeitknappheit ist zu einem gesellschaftlichen Problem geworden. Wir hetzen von einem Termin zum nächsten, fahren täglich 100 Kilometer zur Arbeit, checken abends vor dem Fernseher noch kurz geschäftliche Mails. Wir verbringen unsere Zeit mit Arbeiten, um einen Lohn zu verdienen von dem wir längst abhängig geworden sind, weil wir in viel zu großen Häusern leben, viel zu viele Dinge besitzen und teure Urlaubsreisen in ferne Länder finanzieren müssen, um uns von all dem Stress und dem frustrierenden Job zu erholen. Die Abhängigkeit vom Einkommen wächst mit immer höheren Ansprüchen an technische Geräte wie das neueste Smartphone oder Flachbildschirme in jedem Zimmer, größere Autos, größere Häuser, höhere Kredite und alltägliche Bequemlichkeiten wie Staubsaugroboter.

„Hilfe verspricht die Konzentration auf eine überschaubare Anzahl an Optionen, sodass Zeit und Aufmerksamkeit reichen, um diese Dinge lustvoll genießen zu können.“ ~ Niko Paech, Befreiung vom Überfluss. Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie, S. 129

Genügsamkeit und freiwillige Einfachheit sind Alternativen, um der ständigen Angst vor weniger und dem wirtschaftlichen Druck zu entfliehen. Zeitwohlstand macht glücklich.

Neben den persönlichen Vorteilen, die weniger Konsum mit sich bringt, hat ein suffizienter Lebensstil auch viele Vorteile für die Umwelt.

Wie beeinflusst unser Konsumverhalten die Umwelt?

Unser derzeitiges Konsumverhalten hat sehr starke Auswirkungen auf den Planeten und führt zu einem außerordentlichen Naturverbrauch. Klimawandel, Landnutzung und Verlust der Artenvielfalt sind Folgen unseres unersättlichen Konsums. Mit einem einzigen Klick auf die Maus können wir eine unglaubliche Maschinerie an ökologischer Verwüstung in Gang setzen.

Wir alle haben eine ökologische Verantwortung. Durch umweltbewusstes Konsumverhalten können wir unseren ökologischen Fußabdruck zwar verringern, jedoch wird es nicht reichen unseren Konsum lediglich etwas klimafreundlicher zu gestalten und ansonsten weiterhin Dinge anzuhäufen.  

„Die enormen Steigerungen des materiellen Wohlstands seit Beginn der Industrialisierung beruhen allein auf ökologischer Plünderung.“ ~ Niko Paech, Befreiung vom Überfluss. Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie, S. 56

Wie beeinflusst Werbung unser Konsumverhalten?

Wie wir bereits wissen, macht uns unendlicher Konsum nicht glücklich und zerstört unseren Planeten. Aber warum besitzt jede Person in Deutschland dennoch im Durchschnitt 10 000 Gegenstände und warum verschulden sich Menschen hierzulande, um sich Bequemlichkeiten anzuschaffen? Da das Wirtschaftssystem, in dem wir leben permanentes Wachstum zum Ziel hat, müssen Strategien gefunden werden, wie wir heute Dinge kaufen, von denen wir gestern noch nicht wussten, dass wir sie überhaupt brauchen. Eine Wachstumswirtschaft kann nur funktionieren, wenn die Menschen, die in ihr leben, ausreichend konsumieren. Aber inwiefern beeinflusst Werbung unser Konsumverhalten?
Fast ununterbrochen bekommen wir auf Plakaten oder Bildschirmen mitgeteilt, was uns noch zum guten, entspannteren, genussvolleren Leben fehlt. Durch geschickte Werbebotschaften wird uns vermittelt, dass wir durch den Kauf von Produkten effizienter arbeiten können, attraktiver sein werden, den anderen einen Schritt voraus oder insgesamt glücklicher sein werden. Die Produkte sollen in uns bewirken, dass wir uns zugehörig fühlen. Werbung muss Bedürfnisse kreieren, sodass wir denken, wir könnten Erfüllung im Konsum finden. Werbung ist sogar zugeschnitten auf Kinder, damit bloß keiner verloren geht. Wir bekommen also schon sehr früh beigebracht, dass es erstrebenswert ist viele Dinge zu besitzen. Konsum zum Lebensstil zu machen ist das Ziel einer Wirtschaft mit Steigerungslogik. 

Wir sollten uns auf das Wesentliche konzentrieren und wenige Dinge intensiv nutzen. Glück und Zufriedenheit findet man bekanntlich nur in sich selbst. Wir sollten Suffizienz in den Alltag integrieren und ein Vorbild sein, denn Dinge wegzulassen ist eigentlich sehr einfach. Hierzu benötigt es keine weitere Apparatur. Wir sollten weniger konsumieren und die Unmengen an Vorteilen auskosten, die freiwillige Einfachheit und Genügsamkeit mit sich bringt. Hierdurch ist eine bessere, gerechtere und nachhaltigere Welt möglich.

Werde ein richKind und gewinne Zeitwohlstand, Souveränität und Gelassenheit.   

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Le Monde diplomatique/taz Verlags- und Vertriebs GmbH. (2015). Atlas der Globalisierung. Weniger wird mehr. Berlin: taz Verlags- und Vertriebs GmbH.

Paech, N. (2015). Befreiung vom Überfluss. Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie. München: oekom Verlag.

Schmelzer, M., & Vetter, A. (2019). Degrowth/Postwachstum zur Einführung. Hamburg: Junius Verlag GmbH.